SWR Swing Fagottett gastiert mit vergnüglichem Programm

Kritik der Rheinpfalz; Ausgabe vom 6.2.2018

Autor: Uwe Engel

 

Ein Konzert in solch ungewöhnlicher Besetzung gab es schon lange nicht mehr zu erleben bei der „Wachenheimer Serenade“ und auch kein so vergnügliches: Zum Auftakt der diesjährigen Saison gastierte im ausverkauften Alten Kelterhaus des Weinguts Dr. Bürklin-Wolf das SWR Swing Fagottett. Der Name ist Programm. Das Ensemble besteht aus vier Herren, die sich hauptamtlich dem klassischen Fagottspiel widmen, die aber nebenher auch gerne dem Jazz frönen und beides in ihrem „Swing Fagottett“ auf unterhaltsame Weise miteinander verbinden.

Vier Fagotte also, wo schon ein Fagott als Soloinstrument reichlich selten ist. Verantwortlich für diese Tatsache ist vor allem der Klang: Das Fagott ist nun einmal das Bass-Instrument der Holzbläsergruppe, zuständig für die klangliche Abrundung nach unten im Orchester, nicht so sehr für das Melodie-Spiel. Wenn das Fagott von Komponisten einmal solistisch eingesetzt wird, dann gerne für komische oder groteske Passagen. Damit tut man dem Instrument Unrecht. Es kann genauso fein und elegant klingen und kann genauso virtuos gespielt werden wie jedes andere Orchesterinstrument auch. Das demonstrierten die Musiker des SWR Swing Fagottetts nachhaltig.
Gegründet wurde das Ensemble 1986 anlässlich eines Galakonzerts zum 40-jährigen Bestehen des damaligen Sinfonieorchesters des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart. Die Fagottgruppe wollte auch einmal ihre solistischen Fähigkeiten und gleichzeitig ihre Liebe zum Jazz unter Beweis stellen. Das Resultat war ein voller Erfolg.
Alle vier Musiker sind also oder waren Mitglieder dieses renommierten Orchesters, und das hört man auch. Technisch und musikalisch spielen alle auf höchstem Niveau, und der Ensembleklang ist traumhafter Homogenität, gleich, ob sei nun Fagott oder etwas anderes spielen. Denn außer Hanno Donneweg ist jeder noch auf einem Zusatzinstrument zu erleben. Libor Sima glänzt auch als Saxophonist, Georg ter Voert senior gibt auch noch famos den Mann am Klavier, seien Sohn Georg ter Voert junior spielt noch Xylophon, E-Bass und Piccoloflöte. Nicht unwesentlicher Bestandteil des SWR Swing Fagottetts ist fünfte Mann, Wolfgang Milde, der sachkundig, humorvoll und charmant durch den Abend führt.
Als passender Einstieg Mozarts Rondo alla Turca im Jazzgewand mit Sopransaxophon, zwei Fagotten und Klavier. Das kam so richtig munter und „swingend“ herüber. Aber auch bei „richtigen“ klassischen Stücken sorgte die Spielfreude der Musiker für reines Hörvergnügen beim Publikum. Etwa der als Duett dargebotenen Arie der Rosina aus dem „Barbier von Sevilla“, einem humoristischen Scherzo von Prokofjew oder dem Perpetuum Mobile von Paganini. Köstlich das Stück „Der alte Brummbär“ von Julius Fučik,, bei dem Georg ter Voert senior das Solo höchst geläufig auf dem dem Kontrafagott spielte und die abgrundtiefen Töne richtig auskostete. Ein klassisches Zugabestück für Geiger ist „Hora Staccato“ von Grigoras Dinicu, bei dem der Libor Sima dem rumänisch-folkloristischen Solopart auf dem Sopransaxophon den richtigen Pfeffer gab. Georg ter voert junior präsentierte sich als glänzender Instrumentalist nicht nur auf dem Fagott, sondern in Edvard Griegs „Hochzeittag auf Troldhaugen“ auch auf der Piccoloflöte und in Dmitri Kabalewskijs „Komödiantengalopp“ auf dem Xylophon.
Georg ter Voert senior ist der Chef des Ensembles, sein auch Arrangeur und Hauskomponist. Als solcher war er zu erleben mit kleinen, musikalisch zugespitzten Melodram „Filou virtuos“ - für den geistreichen Text und die Rezitation zeichnete Milde verantwortlich – und lieferte mit „Classics“ einen witzigen Schnelldurchlauf durch die klassische Musik – von Tell (Rossinis Ouvertüre) zu Till (Eulenspiegels lustige Streiche von Richard Strauss) und wieder zurück, über Schuberts „Unvollendete“, Mozarts „Nozze di Figaro“-Ouvertüre und anderes mehr.
Ganz besonders gut macht sich der Klang von vier Fagotten im Grenzbereich zwischen Klassik und Jazzmusik, bei einem George Gershwin-Potpourri oder Auszügen aus Leonard Bernsteins „West Side Story“. Wunderbar gefühlvoll der Musettewalzer „Sous le Ciel de Paris“ – natürlich mit Akkordeon, gespielt von Georg ter Voert senior, feurig „Tico, Tico“ von Abreu.