Die Rheinpfalz: Üppig voller Streichersound

 Bericht der Rheinpfalz vom 23.April 2018

Author: Uwe Engel

Voller orchestraler Streicherklang war beim dritten Saisonkonzert der Wachenheimer Serenade am Samstagabend zu hören. Im Festsaal der Sektkellerei Schloss Wachenheim gastierte das Neuenheimer Kammerorchester unter seinem Leiter Mathias Metzger. Als Ensemble von nichtprofesionellen Musikern aus dem Heidelberger Raum ausgewiesen, demonstrierte es eine für ein Laienorchester erstaunliche hohe Qualität – ein Unterschied zu einem professionellen Orchester war da nicht auszumachen.

Das Neuenheimer Kammerorchester wurde von dem anspruchsvollen Publikum begeistert gefeiert. Vor etwa zehn Jahren fanden sich Musikerinnen und Musiker verschiedener Heidelberger Ensembles, wie dem Collegium Musicum der Universität Heidelberg, zum Neuenheimer Kammerorchester zusammen. Es waren zwar alles Amateure, die aber meist durchaus eine hervorragende, quasi-professionelle musikalische Ausbildung genossen. Das Orchester erwarb sich mit anspruchsvollen Streichorchester-Programmen-bald einen ausgezeichneten Ruf in der Region.

Nicht auf dem für Laienorchester üblichen Repertoire mit Werken zwischen Barock und Hochromantik liegt der Fokus, sondern auf Spätromantik und dem 20. Jahrhundert, Musik also, die den Ausführenden technisch alles abverlangt.

Diese Musik bestimmte auch den Programmablauf beim Konzert in Wachenheim. Der Dirigent Mathias Metzger hatte hier übrigens ein Heimspiel, stammt er doch aus dem nahen Meckenheim.

In großer Formation betrat das Neuenheimer Kammerorchester die Bühne: Jeweils sieben erste und zweite Geigen, jeweils fünf Bratschen und Celli sowie drei Kontrabässe sorgten für einen üppigen, vollen Streichersound. Die Intonation war pieksauber, der Rhythmus kam stets präzise, die Klangbalance war stimmig, die Dynamik weit gespannt, und die Musiker folgten dem mit viel Engagement dirigierenden Mathias Metzger willig. Das Orchester wurde allen professionellen Anforderungen gerecht.

 

 

In Wachenheim hatte man den ursprünglich geplanten Programmablauf geändert. So erklangen im ersten Teil die herberen, harten Brocken und die leichteren, eingängigeren Stücke dann nach der Pause.

Den Auftakt machte das Concerto grosso von Ralph Vaughan Williams, ein Nebenwerk im umfangreichen Werk des Komponisten, der von seinen Landsleuten als Erneuerer der englischen Musik gerühmt wird, weil er immer wieder auf die traditionelle englische Folklore zurückgegriffen hat, auch in seinem 1950 entstandenen Concerto grosso. Die Musik ist machtvoll, mit typisch englischen, immer ein wenig archaisch anmutenden melodischen Wendungen, von einer spezifisch britischen düsteren Wucht. Intensiv wurde sie von dem Neuenheimer Kammerorchester gespielt.

Es folgte der eigentliche Höhepunkt des Konzerts. Auch wenn die „Etüden für Streichorchester“ von Frank Martin für manche Zuhörer etwas zu modern waren. Der romanisch-schweizerische Komponist formte seine eigene Tonsprache aus Elementen des Impressionismus, des Neoklassizismus und einer individuell, nämlich weitgehend tonal gehandhabten Zwölftontechnik. Martins Musik ist stark konturiert, aber, wie es einem strengen Calvinisten geziemt, stets etwas spröde.

Seine „Etüden für Streichorchester“ sind höchst anspruchsvoller Stoff, behandeln einzelne komplizierte Aspekte des Zusammenspiels von Streicherensembles. Pizzicato-Sätze etwa sind für Laienorchester normalerweise schon eine große Herausforderung, der dritte Satz mit seiner Polyrhythmik setzte dann noch einen drauf. Das kann auch Profiorchester ins Schwitzen bringen, aber das Neuenheimer Kammerorchester meisterte auch diese Hürde ebenso sicher wie die anderen Sätze, insbesondere das Finale mit dem ständigen Hin- und Herspringen der Stimmen zwischen den einzelnen Instrumenten.

Nach der Pause dann zunächst, schlank und spritzig, rhythmisch auf dem Punkt, die rumänischen Volkstänze von Béla Bartok, mit schönen Soloeinlagen der Konzertmeisterin Jasmin Swartman.

Es folgte schwelgerische Spätromantik mit Peter Tschaikowskis Elegie G-Dur. Und zum Schluss die konturiert dargebotene Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg, deren erster Satz älteren Radiohörern noch als Titelmusik der Südwestfunksendung „Von zehn bis zwölf“ bekannt ist. Das Stück hat man also im Ohr und ist so zu Vergleichen aufgefordert, aber auch da konnte das Orchester bestehen. Es kassierte verdienten Sonderapplaus und auch für das gesamte Konzert gab es begeisterten Applaus.

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